30. Dezember 2025
LONDON — In einem Spiel, das wohl ebenso wegen der Zuschauer wie wegen der Darts in Erinnerung bleiben wird, bewies Luke Littler Nerven aus Stahl und sicherte sich am Montagabend einen 4:2-Sieg gegen den ehemaligen Weltmeister Rob Cross bei der Darts-Weltmeisterschaft 2025/26 der PDC. Doch es war seine Reaktion auf das laute Publikum im Alexandra Palace, die seitdem Schlagzeilen macht.
Der 18-jährige Titelverteidiger – in der Darts-Welt liebevoll „The Nuke“ genannt – zog mit einer beeindruckenden Leistung ins Viertelfinale ein und lieferte trotz spürbarer Feindseligkeit des Publikums erstklassige Zahlen ab, insbesondere während seines Interviews nach dem Spiel.
Ein spannendes Match im Ally Pally
Luke Littler schien zunächst auf einem sicheren Weg zum Sieg, als er eine 3:1-Führung in diesem Best-of-Seven-Match erzielte. Seine Würfe waren außergewöhnlich – mit einem Schnitt von fast 107 Punkten pro Aufnahme und 17 Maximums (180er) – eine seiner stärksten Leistungen in Drucksituationen dieses Turniers.
Cross, der Weltmeister von 2018, kämpfte sich zurück. Er holte ein Set mit einem beeindruckenden 126er-Finish auf die Doppel-Bull und zwang Littler in schwierige Legs. Beim Stand von 3:2 hatte Cross sogar einen Dart, um das Match in ein entscheidendes siebtes Set zu bringen, bevor Littler die Kontrolle übernahm und den Sieg sicherte.
Während Littlers Leistung auf dem Board erstklassig war, war die Atmosphäre um ihn herum alles andere als freundlich.
Von Jubel zu Buh-Rufen: Ein geteiltes Publikum
In den letzten Spielabschnitten und während des Interviews nach dem Spiel buhte ein Teil des Publikums im Alexandra Palace Littler immer wieder aus, lautstark und beharrlich. Diese Reaktion war ungewöhnlich für einen Spieler seines Status – einer, der noch vor zwei Jahren von den Fans gefeiert und oft hochgehoben wurde.
Beobachter und Fan-Kommentare führen die Stimmung auf verschiedene Gründe zurück. Einige argumentieren, Littlers Dominanz in den letzten Jahren habe ihn von einem Außenseiter zu einem „Bösewicht“ in den Augen der Fans gemacht, die enge Matches und unvorhersehbare Ergebnisse lieben. Andere sehen darin einfach die typische, ausgelassene Stimmung im Ally Pally, besonders zu später Stunde.
Luke Littlers trotzige Antwort
Auf die Frage nach der Stimmung nach seinem Sieg reagierte Littler ohne Zurückhaltung. In einem inzwischen viralen Interview stellte sich der Weltranglistenerste den Buh-Rufen mit einer Mischung aus Humor und Trotz entgegen:
„Es stört mich wirklich nicht. Ha ha! Ihr bezahlt Tickets, die mein Preisgeld finanzieren. Also danke — danke für mein Geld, danke fürs Buhen!“
Sein Ton war deutlich, sein Lachen echt, und seine Geste zum Publikum unmissverständlich –Luke Littler nahm die Buh-Rufe und drehte sie zu einem Teil des Spektakels und der Ökonomie des modernen Darts.
„Er war phasenweise sichtbar irritiert“, schrieb ein Kommentator, „aber er hat gezeigt, dass er über dem Lärm stehen und auf seine Art gewinnen kann.“
Reaktionen in der Darts-Welt
Die Medien reagierten gemischt. Einige lobten Littlers Fähigkeit, trotz Ablenkung fokussiert zu bleiben – „ein Beweis für seine Champion-Mentalität“. Andere kritisierten das Verhalten der Zuschauer als respektlos gegenüber einem jugendlichen Weltmeister.
Innerhalb der Spielergemeinschaft sind die Meinungen differenzierter. Viele Fans sehen die Buh-Rufe als harmlose Darts-Kultur – Teil der Show, Teil des Schabernacks –, während andere meinen, dass jegliche Feindseligkeit gegenüber einem amtierenden Champion unnötige Dramatik erzeugt.
Bereits zuvor war Littler an Buhrufe und Pfiffe gewöhnt. Bereits Anfang des Jahres reagierte er während der Premier League in Aberdeen scharf auf ähnliche Stimmungen: Er sagte nach einem Sieg zum Publikum: „Wir sagen ihnen, sie sollen still sein“ – ein Beweis dafür, dass er mit Ablenkungen durch Zuschauer vertraut ist.
Ausblick
Mit dem Sieg zieht Luke Littler ins Viertelfinale ein, wo er auf Luke Woodhouse oder Krzysztof Ratajski treffen wird. Zum dritten Mal in Folge ist Littler nun nur noch wenige Matches vom Verteidigen seines Titels entfernt und kämpft um den rekordverdächtigen Preis von 1 Million Pfund.
Ob die Reaktionen des Publikums ihn in den entscheidenden Spielen weiterhin begleiten werden, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch klar: Littler hat gezeigt, dass er nicht nur auf höchstem Niveau unter Druck bestehen kann, sondern auch mit einem Spotlight umgehen kann, das sowohl Bewunderung als auch Antagonismus umfasst.
Ein Fan brachte es online auf den Punkt: „Entweder stirbst du als Held oder du lebst lange genug, um zum Bösewicht zu werden.“
