Moskau/Berlin, 13. Februar 2026 – Russland hat den Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) offiziell zur „unerwünschten Organisation“ erklärt. Die Entscheidung des Justizministerium der Russischen Föderation kommt einem faktischen Verbot gleich und verschärft die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Moskau und Berlin weiter. Für russische Staatsbürger kann
bereits der Kontakt zur Organisation strafrechtliche Folgen haben.
DAAD in Russland als „unerwünscht“ eingestuft
Mit der Aufnahme auf die russische Liste „unerwünschter Organisationen“ wird dem DAAD die Arbeit in Russland praktisch unmöglich gemacht. Die Einstufung bedeutet, dass jede Zusammenarbeit, Unterstützung oder öffentliche Beteiligung an Aktivitäten der Organisation für russische Bürger rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.
Der DAAD erklärte, man stehe in engem Austausch mit dem Auswärtiges Amt, um das weitere Vorgehen zu prüfen.
Der DAAD gilt als weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Seit Jahrzehnten unterstützt er akademische Kooperationen zwischen Deutschland und zahlreichen Ländern – darunter auch Russland.
Rund 200 russische Stipendiaten aktuell in Deutschland
Nach Angaben des DAAD studieren derzeit etwa 200 russische Staatsbürger mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland. Insgesamt sind rund 10.500 russische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben.
Diese Zahlen zeigen, dass trotz politischer Spannungen weiterhin akademische Verbindungen bestehen. Wie sich das Verbot konkret auf laufende Förderungen auswirken wird, ist derzeit noch unklar.
Hintergrund: Folgen des Ukraine-Krieges
Bereits nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 hatte der DAAD seine Aktivitäten in Russland stark eingeschränkt. Neue Stipendienprogramme für Aufenthalte deutscher Studierender in Russland wurden gestoppt.
Der umgekehrte Weg – also Studienaufenthalte russischer Studierender in Deutschland – blieb jedoch weiterhin möglich. Zu diesem Zweck unterhielt der DAAD bislang auch ein Büro in Moskau.
Mit der aktuellen Entscheidung dürfte dieser Austausch nun weitgehend zum Erliegen kommen.
Diplomatische Spannungen zwischen Russland und Deutschland
Die Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund erneuter diplomatischer Spannungen. In den vergangenen Wochen hatten beide Länder gegenseitig Diplomaten ausgewiesen.
Russland reagierte mit der Ausweisung eines deutschen Diplomaten aus Moskau, nachdem Deutschland zuvor den stellvertretenden russischen Militärattaché des Landes verwiesen hatte. Ihm war Spionagetätigkeit vorgeworfen worden.
Die Entscheidung gegen den DAAD wird daher auch als politisches Signal gewertet.
Was bedeutet „unerwünschte Organisation“ konkret?
Das russische Gesetz über „unerwünschte Organisationen“ erlaubt es den Behörden, ausländische Institutionen zu verbieten, wenn sie als Bedrohung für die staatliche Ordnung eingestuft werden.
Konsequenzen können sein:
- Verbot von Aktivitäten im Land
- Strafverfolgung bei Kooperation oder Unterstützung
- Geld- oder Haftstrafen für Beteiligte
- Blockierung von Konten oder Informationsangeboten
Für russische Wissenschaftler oder Studierende entsteht dadurch ein erhebliches Risiko bei jeder Form von Kontakt mit der Organisation.
Folgen für die Wissenschaft und Hochschulkooperation
Die Entscheidung trifft nicht nur einzelne Studierende, sondern die gesamte akademische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Bereits zuvor standen mehrere deutsche wissenschaftliche Einrichtungen auf russischen Sanktionslisten.
Experten sehen darin eine weitere Abkopplung Russlands vom europäischen Wissenschaftsraum. Internationale Forschungsprojekte, Austauschprogramme und gemeinsame Konferenzen dürften dadurch stark eingeschränkt oder vollständig beendet werden.
Gerade im Bereich Wissenschaft galt der Dialog lange als eine der letzten verbliebenen Brücken zwischen Russland und westlichen Staaten.
Reaktionen in Deutschland
In Deutschland wird die Entscheidung mit Sorge betrachtet. Vertreter aus Politik und Wissenschaft betonen, dass akademischer Austausch ein wichtiges Mittel für Verständigung und Dialog sei – selbst in Zeiten politischer Konflikte.
Das Auswärtige Amt prüft derzeit die Auswirkungen auf bestehende Programme und mögliche Schutzmaßnahmen für betroffene Studierende.
Ausblick: Wie geht es weiter?
Noch ist unklar, ob und wie bestehende DAAD-Stipendien für russische Studierende in Deutschland fortgeführt werden können. Ebenso offen bleibt, ob weitere Organisationen von ähnlichen Maßnahmen betroffen sein könnten.
Fest steht jedoch: Der Schritt markiert einen weiteren Tiefpunkt in den deutsch-russischen Beziehungen und erschwert den wissenschaftlichen Dialog erheblich.
Fazit
Mit der Einstufung des DAAD als „unerwünschte Organisation“ setzt Russland ein deutliches politisches Zeichen. Für Studierende und Wissenschaftler bedeutet dies große Unsicherheit. Der akademische Austausch, der über Jahrzehnte als Brücke zwischen den Gesellschaften diente, steht nun vor einer ungewissen Zukunft.
