Ghislaine Maxwell schweigt vor US-Kongress: Ermittler enttäuscht, Opfer fordern Aufklärung

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Die verurteilte Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell hat bei einer Anhörung vor dem US-Kongress die Aussage verweigert. Die 62-Jährige berief sich mehrfach auf ihr Recht, sich nicht selbst zu belasten. Die Befragung fand am Montag im Rahmen einer nicht öffentlichen Sitzung des US-Repräsentantenhauses statt und wurde virtuell aus einem Gefängnis in Texas durchgeführt, wo Maxwell derzeit eine 20-jährige Haftstrafe wegen Menschenhandels verbüßt.

Berufung auf den fünften Verfassungszusatz

Der Vorsitzende des zuständigen Kontrollausschusses, James Comer, erklärte nach der Anhörung, Maxwell habe wie erwartet durchgehend den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung geltend gemacht. Dieser erlaubt es Beschuldigten, Aussagen zu verweigern, die sie selbst belasten könnten.

Comer zeigte sich enttäuscht über den Verlauf der Befragung. Ziel sei es gewesen, mehr über die von Maxwell und dem inzwischen verstorbenen Finanzier Jeffrey Epstein begangenen Verbrechen sowie über mögliche weitere Beteiligte zu erfahren.

Kritik von Abgeordneten und Opfern

Auch aus dem demokratischen Lager kam Kritik. Abgeordnete warfen Maxwell vor, die Anhörung zu nutzen, um indirekt auf eine Begnadigung hinzuarbeiten. Tatsächlich hatte ihr Anwalt im Vorfeld erklärt, Maxwell sei bereit, umfassend auszusagen – allerdings nur im Falle einer Straferleichterung durch den US-Präsidenten.

Vertreterinnen und Vertreter von Epstein-Opfern mahnten zur Vorsicht. In einem Schreiben an den Ausschuss forderten sie, Aussagen Maxwells nicht ungeprüft zu übernehmen. Sie kritisierten insbesondere, dass Maxwell bislang keine einflussreichen Mitwisser oder Beteiligten benannt habe.

Fragen zu möglichen Mitverschwörern bleiben offen

Besonders brisant: In früheren Gerichtsunterlagen hatte Maxwell selbst von mehreren namentlich bekannten Mitverschwörern sowie weiteren nicht angeklagten Personen gesprochen. Diese Punkte konnten nun nicht geklärt werden.

Auch Fragen zu möglichen Kontakten zwischen Epstein, Maxwell und prominenten Persönlichkeiten blieben unbeantwortet. Maxwell hatte in früheren Gesprächen bestritten, belastendes Verhalten beobachtet zu haben, und erklärte, eine angebliche Kundenliste existiere nicht.

Neue Akten, alte Zweifel

Die Anhörung fällt in eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit: Das US-Justizministerium hat zuletzt Millionen Seiten an Ermittlungsakten freigegeben. Mitglieder des Kongresses dürfen diese nun in ungeschwärzter Form einsehen. Opferverbände fordern dennoch vollständige Transparenz und kritisieren weiterhin bestehende Schwärzungen.

Fazit

Die erneute Aussageverweigerung von Ghislaine Maxwell wirft ein Schlaglicht auf die weiterhin offenen Fragen im Epstein-Komplex. Während Ermittler auf neue Erkenntnisse gehofft hatten, wächst bei Betroffenen die Sorge, dass zentrale Wahrheiten weiter im Dunkeln bleiben.