Wim Wenders als Jurypräsident der Berlinale 2026 – „Ich will Filme, die mich schwindelig spielen“

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Berlin – Wim Wenders, einer der bedeutendsten deutschen Regisseure der Filmgeschichte, übernimmt in diesem Jahr den Vorsitz der Internationalen Jury der Berlinale 2026. Das weltweit renommierte Filmfestival findet vom 12. bis 22. Februar 2026 statt und steht unter dem Motto großer filmischer Vielfalt – und ganz persönlicher Erwartungen des 80‑jährigen Festivalchefs.

Kino als Erlebnis: Wenders will „schwindelig gespielt“ werden

Wenders, der für Klassiker wie „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“ oder zuletzt „Perfect Days“ bekannt ist, verriet in einem Interview, dass er im Kino am liebsten ganz vorne sitzt – in der zweiten Reihe, um das Filmbild voll auszukosten. Dort hofft er, vom Film förmlich umgehauen oder „schwindelig gespielt“ zu werden, wie er es selbst ausdrückt.

Der Regisseur betonte, dass Filmeschauen nicht nur Genuss, sondern auch Arbeit sein könne: Manchmal sei es anstrengend, manchmal eine Qual – doch ebenso oft sei es das Schönste auf der Welt, wenn ein Film den Zuschauer tief berührt.

Kunst vor Meinung: Wenders über Film und Politik

In einer Zeit, in der politische Themen häufig auch im Kultursektor lautstark vertreten werden, machte Wenders deutlich, dass es ihm bei der Berlinale zuerst um die Kunst des Films gehe – nicht um politische Botschaften.
Er sagte, dass gute Absichten zwar wichtig seien, aber noch lange keinen guten Film ausmachten. Entscheidend sei stattdessen die Fähigkeit, differenziert zu sehen und zu denken – eine Haltung, die Filme auszeichnet, die wirklich preiswürdig sind.

Sorge um die Zukunft des Kinos

Wenders teilt die Bedenken vieler Filmschaffender über die Zukunft des Kinos. Er sieht Herausforderungen, weil Streamingdienste und algorithmusgesteuerte Produktionen die Filmlandschaft zunehmend prägen. Viele originelle, kleinere Filme hätten es heute schwerer, ihr Publikum zu finden, meint Wenders. Insbesondere traditionelle Kinoerlebnisse würden dadurch in ihrer Bedeutung bedroht – gerade in einer Zeit, in der filmische Vielfalt wichtiger denn je sei.

Preiswürdig – was macht einen großen Film aus?

Nach Wenders’ Ansicht zeichnet sich ein herausragender Film durch etwas aus, das echte Persönlichkeit und Kreativität zeigt. Er findet einen Film besonders gelungen, wenn er ihn entweder selbst gern gedreht hätte oder zutiefst respektiert, dass er es selbst nicht hätte realisieren können. Diese Kriterien sollen auch seine Entscheidungen bei der Vergabe des Goldenen Bären prägen.

Ein Leben fürs Kino

Wenders blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück: Er hat das Kino in Deutschland und international über Jahrzehnte mitgeprägt und Werke geschaffen, die sowohl künstlerisch als auch emotional wirken. Er war nicht nur mehrfach auf der Berlinale vertreten, sondern erhielt 2015 den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.

Abseits der Wettbewerbsjury gehört seine Leidenschaft dem echten Kinoerlebnis – nicht dem Konsum auf kleinen Bildschirmen. Ein Smartphone könne seiner Meinung nach nicht ersetzen, was ein Film auf der großen Leinwand leisten kann: das vollständige Eintauchen in eine andere Welt.

Blick nach vorn: Berlinale 2026 im Zeichen des Films

Mit Wenders als Jurypräsident erwartet die Berlinale 2026 eine Festivalleitung, die die Kunst des Films in den Mittelpunkt stellt – und gleichzeitig die Herausforderungen reflektiert, denen das Kino heute gegenübersteht.
Das Festival startet am 12. Februar 2026, mit zahlreichen internationalen Produktionen und Stars aus aller Welt. Die Preisverleihung der begehrten Goldenen und Silbernen Bären findet am 21. Februar 2026 statt.

Fazit

Wim Wenders’ Rückkehr an die Spitze der Berlinale‑Jury ist nicht nur ein Stück Filmgeschichte, sondern auch ein Zeichen für die Bedeutung des Festivals als Forum für große Kinoerlebnisse. Sein Appell an die filmische Tiefe und Differenzierung öffnet einen Blick auf das Kino jenseits kurzer Aufmerksamkeitsspannen – und stellt wieder das Erlebnis Kino ins Zentrum: nicht nur als Kunst, sondern als ein Erlebnis, das einen „schwindelig spielen“ kann.