Berlin, Februar 2026 – Die Gürtelrose-Impfung könnte weit mehr leisten als nur vor einer schmerzhaften Virusinfektion zu schützen. Eine neue wissenschaftliche Untersuchung aus den USA legt nahe, dass geimpfte ältere Menschen langsamer biologisch altern als ungeimpfte – messbar auf Zellebene und im Immunsystem.
Untersuchung mit mehreren tausend älteren Teilnehmenden
Die Studie wurde von Forschenden der USC Leonard Davis School of Gerontology durchgeführt. Grundlage waren Daten aus einer großen bevölkerungsbasierten Langzeituntersuchung älterer Erwachsener in den USA. Analysiert wurden 3.884 Personen ab 70 Jahren, für die Impfstatus, Blutwerte und umfassende Gesundheitsdaten vorlagen.
Ziel der Analyse war es zu prüfen, ob eine Gürtelrose-Impfung mit Veränderungen in der biologischen Alterung zusammenhängt – unabhängig vom tatsächlichen Lebensalter.
Sieben zentrale Marker des biologischen Alterns
Die Forschenden untersuchten mehrere Prozesse, die als zentrale Treiber des Alterns gelten. Dazu gehörten unter anderem:
- chronische Entzündungsprozesse im Körper
- Funktion des angeborenen und des adaptiven Immunsystems
- Herz-Kreislauf-Gesundheit
- Hinweise auf altersbedingte Veränderungen im Gehirn
- epigenetische Veränderungen, die beeinflussen, welche Gene aktiv sind
- Veränderungen in der Genaktivität auf RNA-Ebene
Aus diesen Einzelwerten wurde ein kombinierter biologischer Alterungsindex berechnet.
Geimpfte zeigen günstigere Alterungswerte
Das Ergebnis: Geimpfte Teilnehmende schnitten im Durchschnitt deutlich besser ab. Ihre Zellen zeigten weniger altersbedingte Veränderungen, Entzündungsmarker waren niedriger und das Immunsystem wirkte stabiler. Diese Unterschiede blieben bestehen, selbst nachdem Faktoren wie Geschlecht, sozioökonomischer Status und bestehende Erkrankungen berücksichtigt wurden.
Die Forschenden sehen darin einen Hinweis, dass die Impfung möglicherweise altersbeschleunigende Entzündungsprozesse dämpft.
Warum die Impfung das Altern beeinflussen könnte
Gürtelrose entsteht durch eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, das nach einer Windpocken-Infektion lebenslang im Körper verbleibt. Auch ohne sichtbare Erkrankung kann dieses Virus stille Entzündungen verursachen, die den Alterungsprozess fördern.
Die Impfung könnte genau hier ansetzen: Indem sie die Reaktivierung des Virus verhindert oder abschwächt, könnte sie dauerhafte Belastungen des Immunsystems reduzieren – ein wichtiger Faktor für gesundes Altern.
Stärkster Effekt in den ersten drei Jahren
Besonders ausgeprägt waren die positiven Effekte in den ersten drei Jahren nach der Impfung. Doch auch Personen, deren Impfung bereits vier Jahre oder länger zurücklag, zeigten weiterhin günstigere biologische Alterungswerte als ungeimpfte Vergleichspersonen.
Das deutet darauf hin, dass der Nutzen nicht nur kurzfristig, sondern über mehrere Jahre bestehen kann.
Keine Kausalität – aber starke Hinweise
Die Forschenden weisen darauf hin, dass es sich um eine beobachtende Studie handelt. Ein direkter Ursache-Wirkungs-Nachweis ist damit nicht möglich. Dennoch gelten die Ergebnisse als robust, da zahlreiche Einflussfaktoren statistisch berücksichtigt wurden.
Weitere Studien sollen nun klären, welche biologischen Mechanismen genau für den beobachteten Effekt verantwortlich sind und ob sich die Ergebnisse in anderen Bevölkerungsgruppen bestätigen lassen.
Bedeutung für Prävention und gesundes Altern
Die Ergebnisse stärken die wachsende wissenschaftliche Erkenntnis, dass Impfungen nicht nur vor akuten Krankheiten schützen, sondern auch langfristige Effekte auf die Gesundheit haben können. Besonders im höheren Lebensalter könnten sie dazu beitragen, körperliche Widerstandskraft zu erhalten und altersbedingten Abbauprozessen entgegenzuwirken.
Die Forschenden betonen jedoch, dass Impfungen immer Teil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts sein sollten – ergänzt durch Bewegung, ausgewogene Ernährung und medizinische Vorsorge.
Fazit: Mehr als nur Infektionsschutz
Die Studie liefert deutliche Hinweise darauf, dass die Gürtelrose-Impfung über den bekannten Schutz vor Herpes zoster hinausgeht. Sie könnte einen messbaren Beitrag zu langsamerem biologischem Altern leisten – besonders in den Jahren nach der Impfung.
