Erfurt, 4. Februar 2026 – Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sieht sich einem konstruktiven Misstrauensvotum der AfD gegenüber. Hintergrund ist der entzogene Doktortitel des CDU-Politikers, den die AfD als Argument gegen seine Vertrauenswürdigkeit nutzt. Die CDU kritisiert das Vorgehen als durchsichtiges politisches Manöver.
AfD fordert Misstrauensvotum gegen Voigt
Die AfD, angeführt von Fraktionschef Björn Höcke, hat im Thüringer Landtag ein konstruktives Misstrauensvotum beantragt. Ziel: Mario Voigt als Ministerpräsidenten abzusetzen und Höcke selbst ins Amt zu bringen.
Allerdings liegt die rechnerische Hürde hoch. Höcke benötigt mindestens 45 Stimmen, um die Wahl zu gewinnen. Die AfD verfügt derzeit über 32 Abgeordnete. Ohne zusätzliche Unterstützung aus anderen Fraktionen ist der Erfolg damit äußerst unwahrscheinlich.
Auslöser: Doktortitel-Skandal
Der Misstrauensantrag der AfD stützt sich auf den 2025 erfolgten Entzug von Voigts Doktortitel durch die Technische Universität Chemnitz. Voigts Anwälte weisen die Vorwürfe zurück. Demnach habe Voigt seine Dissertation eigenständig verfasst, und es lägen keine ausreichenden Gründe für den Entzug vor.
Der selbst ernannte Plagiatsjäger Stefan Weber hatte die Vorwürfe 2024 öffentlich gemacht. Weber ist bereits durch ähnliche Aktionen gegen andere deutsche Politiker bekannt, gilt jedoch als umstritten.
Mario Voigt kündigte Klage vor dem zuständigen Verwaltungsgericht an und bezeichnete die Entscheidung der Universität als „nicht nachvollziehbar“.
CDU kritisiert das AfD-Manöver
Andreas Bühl, CDU-Fraktionschef im Thüringer Landtag, bezeichnete das Misstrauensvotum als „absolut durchsichtiges Manöver“ der AfD. Die AfD verhalte sich in Thüringen seit Jahren destruktiv. Laut Bühl besteht für die AfD kaum Aussicht auf Erfolg, da sie die nötige Mehrheit im Landtag nicht erreicht.
Die CDU, gemeinsam mit BSW und SPD in der sogenannten Brombeerkoalition, hält genau die Hälfte der Sitze im Landtag. Um Beschlüsse durchzusetzen, arbeitet die Koalition bei Bedarf mit der Linksfraktion zusammen.
Ablauf des konstruktiven Misstrauensvotums
Ein konstruktives Misstrauensvotum in Thüringen kann nur erfolgreich sein, wenn der Landtag gleichzeitig einen Nachfolger wählt. Auf dem Wahlzettel wird lediglich Höcke stehen. Scheitert er, bleibt Voigt im Amt.
Das Votum wird geheim durchgeführt. Zuvor findet eine Aussprache statt, in der die AfD-Fraktion ihren Antrag begründen wird. Der erste Tagesordnungspunkt der geplanten Sondersitzung am Mittwoch um 14:00 Uhr ist das Misstrauensvotum.
Politische Bedeutung und Reaktionen
Die Aktion der AfD zeigt den anhaltenden Konflikt im Thüringer Landtag zwischen der CDU-geführten Regierung und der Rechtsaußen-Partei. Das Misstrauensvotum dient der AfD vor allem als politisches Signal und kann als Versuch gewertet werden, die Regierung zu destabilisieren.
Voigt bleibt jedoch gestärkt durch die parlamentarische Situation. Solange die AfD keine zusätzlichen Stimmen von anderen Fraktionen erhält, ist eine Absetzung des Ministerpräsidenten unwahrscheinlich.
Fazit
Das Misstrauensvotum gegen Mario Voigt zeigt die angespannte politische Lage in Thüringen. Während die AfD ihre Position nutzt, um den Ministerpräsidenten infrage zu stellen, bleibt Voigt aufgrund fehlender Mehrheiten im Landtag weitgehend abgesichert. Der Streit um den Doktortitel wird parallel juristisch geklärt.
