Wie Jeffrey Epstein einen deutschen KI‑Forscher finanziell unterstützte – auch mit Schulgebühren

joscha bach

Neue Dokumente aus den sogenannten Epstein‑Files zeigen, dass der US‑Finanzier Jeffrey Epstein über Jahre hinweg erhebliche Zahlungen an den deutschstämmigen Kognitions‑ und KI‑Forscher Joscha Bach leistete – weit über reine Forschungsförderung hinaus. Die Enthüllungen werfen Fragen zur Wissenschaftsfinanzierung und zu persönlichen Abhängigkeiten auf.

Was die neuen Akten zeigen

Aus einer Masse neu veröffentlichter Unterlagen geht hervor, dass Epstein zwischen 2013 und 2019 nicht nur Forschungsprojekte von Bach unterstützte, sondern auch private Lebenshaltungskosten übernahm – darunter Flüge, Mietkosten, medizinische Ausgaben und sogar Schulgebühren für seine Kinder in Menlo Park (Kalifornien).

So übernahm ein Buchhalter von Epstein 2019 zum Beispiel ein Schulgeld‑Depot von 5 100 Dollar für eine private Schule, und in weiteren Unterlagen taucht ein Tuition‑Rechnungsbetrag von 6 616 Dollar auf.

Bach, der aus Deutschland stammt und heute als Executive Director des California Institute for Machine Consciousness arbeitet, erklärte, dass er die Unterstützung aus finanzieller Notwendigkeit angenommen habe. Mit einem Postdoc‑Gehalt in den USA sei es kaum möglich gewesen, eine vierköpfige Familie zu versorgen – besonders da seine Frau aufgrund eines Visums nicht arbeiten durfte.

Wie Epstein und Bach sich kennengelernt haben

Die Verbindung zwischen Bach und Epstein entstand durch gemeinsame Kontakte in der Wissenschaft: Epstein lernte Bach über Forscher im Umfeld der KI‑ und Psychologieforschung kennen und unterstützte ihn zuerst beim MIT Media Lab sowie später beim Harvard Program for Evolutionary Dynamics.

Bach selbst betonte, dass keine Hinweise auf sexuelle Verfehlungen oder persönliche Verstrickungen in strafbare Aktivitäten über die reine finanzielle Förderung hinaus bestünden. Er sagte, er habe keine Kenntnis von Verbrechen Epsteins nach dessen erster Verurteilung 2008 gehabt und sei von späteren Anschuldigungen über seine erneute Festnahme 2019 „schockiert“ gewesen.

Wissenschaftliche Unabhängigkeit und Kritik

Bach betonte mehrfach, dass Epstein kein Mitspracherecht bei seiner Forschung hatte und auch keinen Einfluss auf Inhalte oder Ergebnisse genommen habe. Er beschrieb seine Beziehung zu Epstein als „unconditional“, also ohne Bedingungen oder Erwartungen seitens des Geldgebers.

Doch die Enthüllungen erzeugen Kritik: Emails zwischen Bach und Epstein zeigen auch Diskussionen über kontroverse Themen wie kognitive Entwicklung bei Kindern verschiedener Gruppen, was bei der Veröffentlichung für eine mediale Debatte sorgte – Bach bezeichnete die Reaktionen darauf als „traumatisch“, betonte jedoch, dass er nicht an genetische Überlegenheit geglaubt habe.

Wissenschaft, Geld und moralische Verantwortung

Die Verwendung von Geldern aus fragwürdigen Quellen ist seit langem umstritten. Schon frühere Berichte zeigten, dass Epstein auch anderen Wissenschaftlern Geld zur Verfügung stellte und Kontakte in die akademische Welt pflegte. Einige Institutionen, wie das MIT, haben öffentlich eingestanden, dass Epsteins Spenden zur Einstellung bestimmter Forscher beitrugen.

Kritiker sagen, Wissenschaft müsse klare Regeln zur Annahme von Geldern definieren, um unabhängige Forschung von moralisch belasteten Herkunftsquellen zu trennen. Befürworter argumentieren dagegen, dass wissenschaftliche Arbeit oft auf externen Mitteln angewiesen sei, wenn staatliche oder traditionelle Fördermittel fehlen – solange keine Bedingungen gestellt werden.

Vom Postdoc zur finanziellen Unabhängigkeit

Im Jahr 2019 erhielt Bach ein O‑1‑Visum, das Personen mit „außergewöhnlichen Fähigkeiten“ vorbehalten ist. Dieses Visum ermöglichte es ihm, eine reguläre Stelle im Tech‑Bereich anzunehmen, zunächst bei der AI Foundation in San Francisco, und sich so finanziell unabhängig von Epsteins Unterstützung zu machen.

Heute ist Bach eine bekannte Figur in der KI‑Szene, beliebt als Podcaster und Redner auf internationalen Konferenzen. Dennoch werden die Enthüllungen aus den Epstein‑Files weiter diskutiert, weil sie zeigen, wie finanzielle Abhängigkeiten entstehen können – selbst in Elite‑Forschungskreisen.

Fazit

Die neuen Dokumente aus dem Jeffrey‑Epstein‑Dateienfund enthüllen, wie weitreichend finanzielle Verbindungen zwischen dem umstrittenen Mäzen und einem deutschen KI‑Forscher waren. Joscha Bach nahm nicht nur Forschungsunterstützung an, sondern auch private finanzielle Hilfe inklusive Schulgebühren – eine Entscheidung, die er mit damaligen Notlagen begründet, heute jedoch kontrovers betrachtet wird.