St. Magdalena: Wie das „schönste Dorf Südtirols“ unter Touristen leidet

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Das malerische Dorf St. Magdalena im Villnösser Tal in Südtirol, Heimat von rund 500 Einwohnern, erlebt derzeit einen massiven Ansturm von Besuchern. Das Dorf, berühmt für seine Kirche vor der Kulisse der 3000 Meter hohen Geislergruppe, wurde vom Magazin Geo als „wohl schönstes Dorf Südtirols“ ausgezeichnet – eine Auszeichnung, die nun zugleich Fluch und Segen ist.

Tag für Tag kommen mittlerweile doppelt so viele Menschen wie Einwohner, um Fotos zu machen. Viele wollen das Dorf nur kurz sehen, ein Selfie oder ein Handyfoto vor der Kirche schießen und weiterziehen. Dieser Trend hat sich besonders auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok oder Xiaohongshu verstärkt, nachdem ein chinesischer Telekom-Konzern das Panorama in seiner Werbung nutzte.

Überfüllte Straßen und fehlender Respekt

Die enge Straße durch das Villnösser Tal wird regelmäßig von Reisebussen blockiert. Selbst Privatfahrzeuge verursachen Probleme, wenn die Parkplätze voll sind. Viele Besucher missachten Schrankenregelungen und fahren trotz Verbot zur Kirche auf der Anhöhe.

Die Folgen: Wiesen werden zertrampelt, Abfall bleibt liegen, und selbst die Privatsphäre der Dorfbewohner wird verletzt. Am Obermesner-Hof etwa berichtete die Tochter des Hofes, dass Touristen mit dem Handy sogar bis in die Küche gelangen. Auch das Rindvieh auf dem Fallerhof zählt inzwischen zu den meistfotografierten Motiven Europas.

Bürgermeister Peter Pernthaler erklärt: „Das ist schlimmer als in Venedig. Die Leute haben keinen Anstand, die Privatsphäre wird überhaupt nicht mehr respektiert.“

Schrankenanlage gegen Overtourism

Um die Situation in den Griff zu bekommen, investiert die Gemeinde rund 20.000 Euro in eine hochmoderne Schrankenanlage. Diese soll die Zufahrt zur Kirche und ins Dorf kontrollieren und mit Kameras überwacht werden. Die Inbetriebnahme ist für Mai geplant.

„Wir hoffen, dass wir damit die Sache in den Griff bekommen“, so Pernthaler, „aber sicher sind wir uns nicht.“ Andere touristische Hotspots in Italien ziehen ebenfalls drastische Maßnahmen in Betracht – wie der Trevi-Brunnen in Rom, der künftig Eintrittsgelder verlangt.

Zwischen Tourismusboom und Alltag der Einwohner

Die Situation zeigt ein Dilemma vieler idyllischer Orte: Sie profitieren vom internationalen Tourismus, doch der Alltagsleben der Einwohner wird zunehmend gestört. In St. Magdalena haben sich die Anwohner zusammengeschlossen, um ihr Dorf zu schützen – mit Hinweisschildern, Absperrungen und künftig kontrolliertem Zugang.

Experten sehen dies als ein warnendes Beispiel für Overtourism in alpinen Regionen. Wenn Besucher die Regeln missachten, droht nicht nur die Umweltbelastung, sondern auch ein Verlust des ursprünglichen Charmes, der diese Orte so attraktiv macht.

Fazit

St. Magdalena bleibt trotz der Herausforderungen eines der fotogensten Dörfer Südtirols. Die Maßnahmen der Gemeinde zeigen, dass selbst kleine Orte gezwungen sind, Strategien gegen Massentourismus zu entwickeln. Wer das Dorf besuchen möchte, sollte künftig Rücksicht auf die Natur und die Privatsphäre der Einwohner nehmen.