Frankfurt/München – Deutschlands größter Automobilclub, der ADAC, erlebt zum Jahresbeginn 2026 eine der größten Krisen seiner jüngeren Geschichte: etwa 60.000 Mitglieder kündigten ihre Mitgliedschaft, nachdem der Verkehrspräsident des Clubs umstrittene Aussagen zu höheren Spritpreisen und Klimaschutz gemacht hatte. In der Konsequenz trat Gerhard Hillebrand (60) von seinem Amt als Verkehrspräsident zurück – ein seltener Schritt in der Führung des traditionsreichen Vereins.
Warum so viele Austritte? Der Auslöser der Empörung
Der Konflikt begann Ende Dezember 2025, als Hillebrand in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ erklärte, dass der ADAC die CO₂‑Bepreisung auf Kraftstoffe für sinnvoll halte, um Autofahrer zu klimafreundlicheren Alternativen wie Elektroautos zu bewegen. Er bezeichnete die CO₂‑Preisstrategie als ein „richtiges Instrument“, um die **Klimaschutzziele zu erreichen und die Erderwärmung zu begrenzen“.
Diese Aussagen schlugen in der großen ADAC‑Mitgliedschaft jedoch ein wie eine Bombe. Viele Autofahrer missverstanden oder lehnten die Forderung nach höheren Spritkosten strikt ab – in einer Zeit, in der die Preise für Benzin und Diesel ohnehin stark steigen. Kritiker sahen darin eine Abkehr vom traditionellen Vereinsauftrag, nämlich die Interessen der Autofahrer gegen zusätzliche Belastungen zu vertreten.
Massive Kündigungswelle: 60.000 Mitglieder verlassen den Club
Nach Darstellung mehrerer Medien führten Hillebrands Aussagen in den vergangenen vier Wochen zu massiven Austritten: ca. 60.000 Mitglieder kündigten ihre ADAC‑Mitgliedschaft – ein starkes Signal der Unzufriedenheit innerhalb des Vereins.
Obwohl der ADAC im Januar gleichzeitig rund 100.000 neue Mitglieder gewinnen konnte, blieb der massive Verlust ein ernstzunehmender Einschnitt und sorgte für eine intensive Debatte über die Ausrichtung des Clubs.
Reaktion des ADAC: Distanzierung und Erklärung
Der ADAC versuchte, die Wogen zu glätten: Eine Sprecherin erklärte, dass viele Mitglieder den Eindruck hätten, der Verein habe seine Rolle als „Anwalt der Autofahrer“ verlassen, was den Club sehr ernst nehme. Sie stellte klar: „Ob Benziner, Diesel oder E‑Auto: Wir machen uns gegen jede weitere Belastung ohne sozialen Ausgleich stark. Unser Auftrag lautet: bezahlbare Mobilität für alle.“
Mit dieser Stellungnahme versuchte der ADAC klarzustellen, dass Hillebrands persönliche Aussagen nicht die offizielle Position des Vereins widerspiegeln.
Rücktritt von Gerhard Hillebrand: Verantwortung für den Schaden
Mit Blick auf den Imageschaden und den Mitgliederschwund zog Hillebrand die Konsequenzen: Er erklärte seinen Rücktritt als Verkehrspräsident. In einer offiziellen Mitteilung des ADAC betonte Hillebrand, dass ihm bewusst sei, dass seine Aussagen „Irritationen bei Mitgliedern ausgelöst“ und zu Verunsicherung geführt hätten. Aus diesem Grund halte er es im Interesse des Vereins für richtig, persönlich Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten.
Nachfolge und Zukunft des Clubs
Kommissarisch übernimmt nun ADAC‑Technikpräsident Karsten Schulze (62) den Verantwortungsbereich von Hillebrand. Der Automobilclub will damit sowohl den laufenden Betrieb als auch die Debatte um Verkehrspolitik und Mitgliederinteressen stabilisieren.
ADAC‑Präsident Christian Reinicke würdigte Hillebrands Engagement und dankte ihm für seinen Einsatz, betonte aber gleichzeitig, dass der Verein transparent gegenüber seinen Mitgliedern bleiben will und deren Interessen ernst nehme.
Was der ADAC wirklich vertritt
Der ADAC hat in Deutschland rund 22 Millionen Mitglieder und ist vor allem bekannt für seine Pannenhilfe, Verbrauchertests (z. B. Fahrzeuge und Kindersitze) und Mobilitätsservices. Seine politische Position ist es laut Sprecherin, bezahlbare Mobilität für alle zu sichern, ohne bereits bestehende Belastungen weiter zu erhöhen.
Der Streit um den CO₂‑Preis zeigt jedoch, wie sensibel die Balance zwischen Klimaschutzanforderungen und Mitgliedserwartungen innerhalb eines großen Clubs ist.
Reaktionen der Mitglieder: Zwischen Empörung und Enttäuschung
In sozialen Medien und öffentlichen Foren äußerten viele ehemalige Mitglieder, dass sie die Aussagen Hillebrands als „autofahrerfeindlich“ empfanden – gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten und Belastungen durch Energiepreise. Einige hielten den ADAC nicht mehr für den richtigen Vertreter ihrer Interessen und entschieden sich bewusst gegen eine fortgesetzte Mitgliedschaft.
Bilanz und Ausblick
Die Ereignisse rund um den Rücktritt von Gerhard Hillebrand markieren eine der größten Herausforderungen in der jüngeren Geschichte des ADAC. Zwischen Mitgliederrückgängen, öffentlichen Debatten über Klimapolitik und der Neuaufstellung der Führung steht der Verein vor entscheidenden Fragen:
- Wie kann der ADAC die Interessen seiner bestehenden Mitglieder wahren?
- Wie konfrontiert der Club politische Themen wie Klimaschutz ohne Mitglieder zu verlieren?
- Welche Rolle will der ADAC künftig in der Verkehrspolitik einnehmen?
Die Antworten darauf werden den Kurs des Automobilclubs in den kommenden Monaten prägen.
