Washington/Frankfurt, 29.01.2026 – Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihre Zinssenkungen vorerst gestoppt. Nach drei aufeinanderfolgenden Leitzinssenkungen verblieb der Zinssatz am Mittwoch im Zielbereich von 3,5 bis 3,75 Prozent. Experten sehen darin nicht nur ein Signal für Stabilität, sondern warnen zugleich vor möglichen Konsequenzen für Aktienmärkte, Gold und Kryptowährungen.
Fed pausiert: Leitzins bleibt stabil
Der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed entschied einstimmig, die Serie der Zinssenkungen zu unterbrechen. Fed-Chef Jerome Powell begründete die Entscheidung mit einer robusten US-Wirtschaft, stabiler Arbeitslosigkeit und einer Inflationsrate über dem Zielwert.
Michael Heise von HQ Trust kommentiert:
„Nach drei Zinssenkungen war aus ökonomischen Gründen keine weitere notwendig. Die Wirtschaft zeigt Stabilität, und die Inflation bleibt über dem Ziel.“
Damit endet eine Phase, die Investoren in den vergangenen Monaten auf wachsende Unsicherheiten eingestellt hatte.
Politischer Druck auf die Fed hält an
Parallel zur wirtschaftlichen Lage sorgt die politische Bühne für zusätzliche Spannungen. US-Präsident Donald Trump forderte erneut drastische Zinssenkungen, während das US-Justizministerium Ermittlungen gegen Powell eingeleitet hat. Die Vorwürfe reichen von falschen Aussagen vor dem Senat bis hin zu angeblichen Unregelmäßigkeiten bei Gebäudesanierungen der Fed.
Powell verteidigte die Unabhängigkeit der Notenbank:
„Die Angriffe auf unsere Institution gefährden das Vertrauen in die Geldpolitik.“
Experten warnen, dass der politische Druck den Handlungsspielraum der Fed einschränken könnte und die Stabilität der US-Märkte mittelfristig gefährdet.
Auswirkungen auf Gold und Kryptowährungen
Historisch profitieren Gold und Kryptowährungen von Zinssenkungen, da niedrigere Zinsen den US-Dollar schwächen und sichere Alternativen wie Gold attraktiver machen. Bob Michele von J.P. Morgan betont:
„In den letzten zehn Zinssenkungszyklen stieg Gold in 80 Prozent der Fälle innerhalb von sechs Monaten – im Schnitt um 11 Prozent.“
Beim aktuellen Bitcoin-Kurs zeigt sich allerdings ein differenzierter Trend: Spekulative Investoren reduzieren Positionen aufgrund makroökonomischer Unsicherheit und engerer Liquidität. Die Zinspause beeinflusst digitale Währungen daher weniger stark als erwartet.
Aktienmarkt: USA verliert Wachstums-Vorsprung
Lazard-Experte Ron Temple sieht die US-Märkte vor einer Trendwende:
„2025 könnte das Jahr gewesen sein, in dem die langjährige Outperformance der USA endet. Schwächere Dollar, enge Aktienbewertungen und Konzentration auf wenige Technologieunternehmen erhöhen das Risiko einer Underperformance.“
Besonders Schwellenländer und Japan könnten 2026 Chancen bieten, vor allem in KI-gestützten Märkten. Anleger sollten ihre Portfolios deshalb breiter diversifizieren, statt sich allein auf US-Aktien zu verlassen.
Prognosen für den Rest des Jahres 2026
Experten gehen davon aus, dass die Fed im Verlauf des Jahres erneut Zinssenkungen prüfen wird, aber nur unter klaren wirtschaftlichen Bedingungen:
- John Velis (BNY): maximal zwei Zinssenkungen bis Ende 2026
- Tiffany Wilding (Pimco): Senkungen frühestens in der zweiten Jahreshälfte
- Natixis: 50 Basispunkte Senkung im Jahresverlauf
- State Street: drei Senkungen, Zielrate etwa 3 Prozent
Edgar Walk von Metzler Asset Management betont:
„Die Fed handelt datengetrieben. Solange die Wirtschaft stabil bleibt, ist eine weitere Zinssenkung unwahrscheinlich.“
Fazit: Vorsicht bei US-Investments
Die Entscheidung der Fed zeigt, dass sich die US-Wirtschaft in einem stabilen, aber sensiblen Zustand befindet. Anleger sollten ihre Portfolios diversifizieren, Gold und internationale Märkte im Blick behalten und sich nicht ausschließlich auf US-Aktien verlassen.
Experten warnen, dass das Land einen entscheidenden Vorteil im globalen Wettbewerb verlieren könnte, falls die Märkte die Fed-Zinspause als Signal für Stagnation interpretieren.
