Taipeh, 24. Januar 2026 – Millionen Augen richten sich morgen auf die imposante Glasfassade des Taipei 101. Der 508 Meter hohe Wolkenkratzer in Taiwan wird Schauplatz eines außergewöhnlichen Ereignisses: Alex Honnold, der weltbekannte US-Freeclimber, wird versuchen, das Gebäude ohne Seil, Netz oder Sicherung zu erklimmen – ein Free-Solo-Aufstieg, der in Echtzeit auf Netflix übertragen wird.
Verschiebung aus Sicherheitsgründen
Ursprünglich war der Aufstieg für den 23. Januar 2026 geplant. Aufgrund leichter Regenfälle und ungünstiger Wetterbedingungen verschob Netflix das Event um einen Tag. Sicherheit stehe an oberster Stelle, erklärte der Streaming-Dienst in einer offiziellen Mitteilung.
Neuer Termin: Samstag, 24. Januar 2026, 02:00 Uhr MEZ (09:00 Uhr Ortszeit).
Warum ausgerechnet der Taipei 101?
Honnold selbst beschreibt den Wolkenkratzer als einzigartig für die Free-Solo-Kletterung. Anders als natürliche Felswände folgt die Glas- und Stahlfassade eines Gebäudes einem strikten, wiederholbaren Muster. Beginnend ab dem 27. Stock erwarten den Kletterer leichte Überhänge, sogenannte „Bamboo Boxes“, die als kurze Ruhepunkte dienen könnten.
„Gebäude sind steiler als die meisten Felswände. Selbst die vertikalen Klippen sind selten durchgehend senkrecht. Beim Taipei 101 ist die ganze Route vertikal – das ist eine ganz neue Herausforderung“, erklärt Honnold.
Wer ist Alex Honnold?
Geboren am 17. August 1985 in Sacramento, Kalifornien, wurde Honnold durch den Dokumentarfilm Free Solo weltberühmt, in dem er 2017 als erster Mensch die Route Freerider am El Capitan im Yosemite-Nationalpark ohne Sicherung meisterte.
- Alter: 40 Jahre
- Familienstand: verheiratet, Vater von zwei Töchtern
- Bekannt für methodisches Training und präzise Risikoabwägung
- Fokus liegt darauf, Risiken zu reduzieren, nicht zu suchen
Honnolds Free-Solo-Kletterungen gelten als Inbegriff extremer Präzision und Kontrolle. Er klettert nicht für Ruhm, betont er, sondern um Herausforderungen zu meistern, die selten erlaubt werden.
Technik, Vorbereitung und Risiko
Der Aufstieg am Taipei 101 ist nicht spontan: Honnold hat die Route über Monate geplant, jeden Griff getestet und spezielle Kletterschuhe entwickelt, die maximale Reibung auf Glas und Metall bieten.
Größtes Risiko: Ermüdung und Fehltritte.
Faszination: Die Kombination aus urbaner Umgebung, globaler Live-Übertragung und existenzieller Gefahr.
Netflix wird den Aufstieg live übertragen, wobei der Stream minimal verzögert wird, um im Ernstfall reagieren zu können. Am Fuß des Towers könnten Zuschauer den Sturz hingegen live miterleben.
Expertenmeinungen
Alexander Huber, renommierter Extremkletterer, relativiert die sportliche Bedeutung: „Die Besteigung liefert keine neuen Erkenntnisse für das Klettern, aber medial wird sie enorme Reichweite erzielen.“
Alain Robert, der französische „Human Spider“, hebt den Unterschied zwischen urbanem Klettern und Honnolds Ansatz hervor. Während Robert zahlreiche Hochhäuser erklomm, legt Honnold den Fokus auf mediale Wirkung und methodische Perfektion.
Ein globales Event mit existenzieller Spannung
Der Taipei-101-Aufstieg ist weniger ein sportlicher Meilenstein als ein globales Medienereignis, das die Grenze zwischen sportlicher Meisterschaft und existenzieller Gefahr sichtbar macht. Millionen Menschen werden den Moment verfolgen, in dem ein einzelner Mensch ohne Sicherung über 500 Meter Höhe klettert.
Für Honnold selbst zählt weniger die Show, als die Möglichkeit, eine seltene Gelegenheit zu nutzen: „Es ist nicht oft möglich, so etwas zu tun. Wenn man die Chance hat, muss man sie ergreifen.“
Fazit: Ob es gelingt oder ein Risiko real wird, bleibt spannend. Die Welt schaut zu, wenn Alex Honnold morgen den Sprung von der Natur in die vertikale Stadtlandschaft wagt – ein Moment, der Free-Solo-Klettern und urbanes Abenteuer spektakulär verschmilzt.
