Berlin – 22. Januar 2026 – Deutschlands Gasspeicher stehen derzeit ungewöhnlich leer. Mit einem Füllstand von nur 42,3 Prozent am Montag liegen sie deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (ca. 65 Prozent). Trotz der niedrigen Reserven betont die Bundesnetzagentur, dass die Gasversorgung stabil ist und keine unmittelbare Versorgungskrise droht.
Gasspeicher auf Rekordtief – Gründe und Risiken
Die geringe Füllung der Gasspeicher ist das Ergebnis mehrerer Faktoren:
- Hoher Verbrauch in Industrie, Handel und privaten Haushalten aufgrund der Kälte im Januar.
- Massive Stromnachfrage durch elektrisch betriebene Heizsysteme.
- Geringe Erträge aus erneuerbaren Energien: Wind- und Solarstrom trugen während der Kälteperioden nur wenig zur Stromversorgung bei, sodass Gaskraftwerke auf Hochtouren liefen.
Allein in der zweiten Januarwoche produzierten Gas-Kraftwerke über 2,3 Milliarden Kilowattstunden, ein Rekordwert seit Jahrzehnten.
Versorgungssicherheit trotz niedriger Reserven
Die Bundesnetzagentur bewertet die Risiken für die Gasversorgung als gering. Deutschland verfügt über verschiedene Importmöglichkeiten, darunter Pipelines aus Norwegen sowie LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran.
Allerdings könnte ein extrem kalter Winter die Situation schnell verschärfen. Die Speicher könnten bei hohem Verbrauch innerhalb von nur drei Wochen erschöpft sein, wenn keine kontinuierlichen Lieferungen erfolgen.
Einfluss von LNG-Importen aus den USA
Seit dem Ende der Gasimporte aus Russland im August 2022 spielt LNG eine zentrale Rolle. 2025 wurden rund 106 Terawattstunden Gas über die deutschen LNG-Terminals importiert, was 10,3 Prozent des gesamten Gasimports ausmacht.
Die Mehrheit (über 94 Prozent) stammt aus den USA. Dies sorgt politisch für Diskussionen, unter anderem wegen US-Claims zu Grönland und früherer Drohungen durch den ehemaligen US-Präsidenten Trump, EU-Länder mit Zöllen zu belegen. Grünen-Politikerin Katharina Dröge kritisierte die hohe Abhängigkeit von US-LNG und forderte eine Neubewertung dieser Energiepolitik.
Niedrige Füllstände: Politische Entscheidungen und wirtschaftliche Gründe
Die niedrigen Speicherstände sind auch auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen zurückzuführen:
- Die Bundesregierung senkte die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestfüllstände im letzten Jahr, um Kosten in der Gasbranche zu reduzieren.
- Statt 90 Prozent müssen viele Speicher nun nur noch 80 Prozent füllen, einige spezielle Anlagen sogar nur 45 Prozent.
- Im Sommer 2025 wurden die Gasspeicher nur zu 77 Prozent befüllt, da hohe Gaspreise die Lagerung unprofitabel machten.
Deutschland auf Winter vorbereitet – aber Vorsicht ist geboten
- Gesamtvolumen der Speicher: ca. 250 Terawattstunden
- Aktuell gelagertes Gas: 106 Terawattstunden
- Durchschnittlicher Tagesverbrauch im Winter: 4 Terawattstunden
Die Zahlen verdeutlichen: Ein besonders kalter Winter würde die Speicher schnell leeren, auch mit den neuen LNG-Kapazitäten. Dennoch betont die Bundesnetzagentur, dass die Versorgung bis jetzt gesichert ist.
Fazit: Gasversorgung bleibt stabil, Risiken bleiben
- Gasspeicher in Deutschland derzeit auf Rekordtief
- Versorgungssicherheit offiziell gewährleistet
- Hoher Gasverbrauch und geringe Erneuerbare führen zu Rekordlasten in Gaskraftwerken
- Abhängigkeit von US-LNG sorgt für politische Diskussionen
- Politische Lockerung der Mindestfüllstände trug zu niedrigen Reserven bei
Die Situation zeigt, dass Deutschland gut aufgestellt ist, aber eine kalte Winterperiode schnell zu Engpässen führen könnte. Die Energiepolitik, insbesondere die Diversifizierung der Gasimporte und der Ausbau erneuerbarer Energien, bleibt entscheidend für die langfristige Versorgungssicherheit.
