Drama und Leid in Sudan: Arzt schildert tödliche Flucht aus El‑Fasher nach RSF‑Angriff

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Khartum / Darfur – 31. Januar 2026 – Ein sudanesischer Arzt hat in eindringlichen Worten seine Flucht aus El‑Fasher, der Hauptstadt der Region Nord‑Darfur, geschildert. Die Stadt war 18 Monate lang von paramilitärischen Kräften der Rapid Support Forces (RSF) belagert und anschließend überwältigt worden. Der Bericht wirft ein erschütterndes Licht auf das Ausmaß der Gewalt gegen Zivilbevölkerung in einem der blutigsten Konflikte Afrikas.

Massive Gewalt: El‑Fasher nach langer Belagerung gefallen

Am 26. Oktober 2025 begannen RSF‑Milizen eine groß angelegte Offensive gegen El‑Fasher, die sich über drei Tage erstreckte. Die RSF, eine paramilitärische Gruppierung mit Wurzeln in der Janjaweed‑Miliz, hatte die Stadt über Monate belagert, bevor sie die letzte starke Position der sudanesischen Armee in Darfur einnahm.

Dr. Mohamed Ibrahim, 28 Jahre alt, blieb trotz der eskalierenden Gewalt in der Stadt und arbeitete im letzten funktionierenden Krankenhaus, dem Saudi Maternity Hospital. Als der Beschuss begann, beschrieb er, wie er und andere Zivilisten unter ununterbrochenem Artilleriefeuer, Explosionen und Schüssen Schutz suchten. „Wir rannten von Haus zu Haus, von Mauer zu Mauer“, sagte Ibrahim. Viele Menschen seien gefallen, während andere verzweifelt versuchten zu fliehen.

Brutalität und humanitäre Katastrophe

UN‑Beamte und Menschenrechtsgruppen berichten, dass bei der Einnahme von El‑Fasher Tausende Zivilisten getötet wurden, wobei die genaue Zahl weiterhin unbekannt ist. Schätzungen gehen davon aus, dass nur etwa 40 % der ursprünglichen 260.000 Einwohner die Stadt lebend verlassen haben; der Rest bleibt vermisst, getötet oder verschüttet. Der Ort wurde von der UN als „massives Verbrechensgebiet“ beschrieben.

Auch frühere Angriffe auf zivile Infrastruktur und Gesundheitseinrichtungen sind dokumentiert. So führte ein massiver Drohnenangriff auf das Saudi Teaching Hospital schon im Januar 2025 zu Dutzenden Toten, darunter Patienten und medizinisches Personal, und wurde international scharf verurteilt.

Berichte von Überlebenden und Menschenrechtsorganisationen zeigen, dass nicht nur Bombardierungen, sondern auch gezielte Angriffe auf Flüchtende und Lager stattfanden: Displacement Camps wie Abu Shouk und Zamzam wurden wiederholt unter Beschuss genommen, mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten.

Vom Krankenhaus zur Flucht – ein Überlebenskampf

Am Morgen des 26. Oktober nahm die Intensität der Angriffe zu und viele Zivilisten versuchten, Schutz zu finden oder zu fliehen. Ibrahim und ein Kollege entschieden sich, zum nahegelegenen Militärstützpunkt zu laufen, um Hilfe zu finden. Unterwegs wurden sie Zeugen von tödlichen Angriffen auf verletzte Personen und schutzlose Familien.

Beim Versuch, den Militärstützpunkt zu erreichen, wurde das Krankenhaus mehrfach angegriffen: eine Krankenschwester wurde getötet, mehrere weitere Mitarbeiter verletzt. Später, als sich der Kampf weiter intensivierte, gelang es ihnen, teilweise Deckung zu finden und sich fortzubewegen, indem sie zwischen Gebäuden flüchteten, sich in Wasserbehältern versteckten und über Dächer sprangen.

Gefangennahme, Erpressung und schockierende Bedingungen

Als Ibrahim und andere Zivilisten den Stützpunkt erreichten, schlossen sich etwa 200 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, ihrer Gruppe an. Nachdem die Nacht gefallen war, setzte die Gruppe ihren Weg fort und wurde von RSF‑Kämpfern gestellt. Ibrahim und mehrere andere wurden gefesselt und gezwungen, ihnen hinter Motorrädern hinterherzulaufen. Schließlich wurden sie in einem von RSF kontrollierten Dorf gefangen gehalten. Dort verlangten die Bewaffneten Lösegeld von Familien der Gefangenen – zuerst ungewöhnlich hohe Summen, später deutlich geringere, die aber für viele unerschwinglich waren.

Um ihre Freilassung zu sichern, übertrug Ibrahim etwa 8.000 US‑Dollar, eine enorme Summe in einem Land, in dem der durchschnittliche Monatslohn bei etwa 30 bis 50 US‑Dollar liegt.

Reise in die Freiheit

Nach ihrer Freilassung wurden Ibrahim und andere in der Nähe von Kämpfern ausgesetzt, denen sie ausweichen mussten. Schließlich gelang es ihnen, den Schutz der Sudan Liberation Army‑Abdul Wahid zu erreichen – einer Rebellengruppe, die nicht Teil der aktuellen Kämpfe ist und humanitäre Hilfe für Flüchtlinge bietet. Dort trafen sie Teams von Ärzten und Helfern, die Geflüchtete versorgten, bevor sie weiter nach Tawila gingen, wo sie mit anderen Überlebenden wiedervereint wurden.

Internationale Verurteilung und Kriegsvorwürfe

Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International und UN‑Experten äußern scharfe Kritik an den Angriffen der RSF. Sie werfen den Kämpfern unter anderem gezielte Tötungen, systematische Gewalt gegen Zivilisten, sexuelle Gewalt und mögliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. UN‑Ermittler haben bereits ein Mandat, um schwerste Verstöße im Sudan zu untersuchen.

Zusätzlich zeigen Berichte, dass Angriffe auf Displaced Persons Camps, auf Orte der Zuflucht und auf medizinische Einrichtungen zu einer Eskalation der humanitären Krise geführt haben, mit zahlreichen Todesopfern einschließlich Kindern und älteren Menschen.

Humanitäre Katastrophe und Vertreibung

Die Gewalt in Darfur ist Teil eines seit April 2023 andauernden Bürgerkriegs zwischen der sudanesischen Armee und der RSF, der bereits Millionen Menschen vertrieben hat und eine der größten humanitären Krisen weltweit ausgelöst hat.

Nach der Einnahme von El‑Fasher wurden Zehntausende weitere Zivilisten aus der Stadt vertrieben. Die International Organization for Migration (IOM) meldete, dass allein seit der Kontrolle der RSF in El‑Fasher fast 100.000 Menschen in andere Teile Darfurs geflohen sind.

Fazit: Brutaler Krieg und verzweifelte Flucht

Dr. Mohamed Ibrahims Bericht liefert einen eindrucksvollen und erschütternden Einblick in die Realität des Krieges im Sudan und die täglichen Gefahren für Zivilisten. Seine Flucht steht stellvertretend für den verzweifelten Kampf Tausender Menschen, die versuchen, inmitten von Irreführung, Gewalt und Zerstörung zu überleben. Während internationale Stimmen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit anprangern, bleibt die Lage für die Bevölkerung vor Ort weiter äußerst prekär.