Tarifrunde öffentlicher Dienst 2026: Länder legen Eckpunkte vor – Gewerkschaften drohen mit Warnstreiks

tarifrunde länder

Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder spitzen sich zu. Während die Arbeitgeber erstmals Eckpunkte für eine mögliche Einigung vorgelegt haben, kritisieren Gewerkschaften das Vorgehen als unzureichend. Experten und Beschäftigte blicken gespannt auf die dritte Verhandlungsrunde, die vom 11. bis 13. Februar 2026 in Potsdam stattfindet.

TdL präsentiert Eckpunkte statt konkretes Angebot

In der zweiten Verhandlungsrunde Anfang Januar 2026 legte die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) erstmals einen sogenannten „Einigungskorridor“ vor. Konkrete, abschlussfähige Angebote blieben jedoch aus. Vorgeschlagen wurden Entgelterhöhungen leicht über der Inflation in drei Stufen für die Haushaltsjahre 2026 bis 2028. Die geplante Laufzeit von 29 Monaten bis März 2028 entspricht laut TdL einer Gesamtsteigerung von rund fünf Prozent – deutlich weniger als die Gewerkschaften fordern.

Kritikpunkt der Gewerkschaften: Die lange Laufzeit und das geringe Volumen kompensieren die Kaufkraftverluste der letzten Jahre nicht ausreichend.

Verbesserungen für Auszubildende und Studierende

Die TdL kündigte ein „Azubi-Paket“ an, das unter anderem folgende Maßnahmen vorsieht:

  • 120 Euro mehr Ausbildungsentgelt in drei Schritten
  • Erneute Vereinbarung bestehender Übernahmeregelungen
  • Angleichung der vermögenswirksamen Leistungen von Ost- an Westdeutschland
  • Vorgezogene Erreichung der Entgeltstufe 2 für übernommene Auszubildende
  • Erhöhung der Abschlussprämien für leistungsstarke Absolventinnen und Absolventen
  • Mindeststundenentgelte für studentische Beschäftigte oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns (2026: 15,06 Euro → 2028: 16,49 Euro)

Trotz dieser Ankündigungen sehen die Gewerkschaften zentrale Forderungen noch nicht erfüllt, insbesondere bei verbindlichen Regelungen für studentische Beschäftigte und sozial gerechteren Entgeltsteigerungen.

Zulagen und Strukturpaket

Die TdL plant zudem Anpassungen bei Zulagen und Eingruppierungen:

  • Wechselschichtzulage: 105 Euro → 150 Euro
  • Schichtzulage: 40 Euro → 60 Euro
  • Strukturpaket zur Weiterentwicklung des Eingruppierungsrechts
  • Stufengleiche Höhergruppierungen
  • Paralleltabelle für Lehrkräfte ab dem Schuljahr 2028/2029
  • Berücksichtigung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie

Die Gewerkschaften sehen darin jedoch keine ausreichende Bewegung, da zentrale Entscheidungen auf die Zukunft verschoben werden.

Gewerkschaften üben scharfe Kritik

ver.di-Vorsitzender Frank Werneke kritisierte, dass die TdL kein tragfähiges Angebot vorgelegt habe. Aussagen zu „Abschlüssen leicht über der Inflation“ reichten nicht aus. Die Gewerkschaften warnen, dass das Vorgehen der Länder die Belastungen der Beschäftigten unterschätze und Fachkräftemangel sowie steigende Lebenshaltungskosten unzureichend berücksichtige.

Auch die GEW und der Deutsche Beamtenbund (dbb) bemängeln fehlende Fortschritte, insbesondere im Bildungsbereich. Investitionen in Schulen, Hochschulen und Kitas sowie ein Tarifvertrag für studentische Beschäftigte seien weiterhin ausstehend.

Warnstreiks angekündigt

Um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, kündigen die Gewerkschaften bundesweite Warnstreiks an. Betroffen sein können unter anderem:

  • Schulen und Hochschulen
  • Unikliniken
  • Straßenräumdienste
  • Rechenzentren
  • Finanzämter

Die dritte Runde der Verhandlungen könnte entscheidend sein, da beide Seiten den Dialog konstruktiv führen wollen. Eine Schlichtung ist jedoch nicht vorgesehen, und die Gewerkschaften haben bereits klargemacht, dass sie zu weiteren Streiks bereit sind, falls kein akzeptables Angebot vorgelegt wird.

Ausblick: Kommt es zur Einigung?

Die Tarifrunde 2026 bleibt angespannt. Die TdL verweist auf finanzielle Grenzen, während die Gewerkschaften auf konkrete, sozial ausgewogene Angebote drängen. Die kommenden Verhandlungen in Potsdam werden zeigen, ob eine Einigung noch in dieser Runde möglich ist – oder ob sich die Konflikte im öffentlichen Dienst weiter zuspitzen.