Die Rekordjagd der Edelmetalle ist abrupt gestoppt: Gold und Silber stürzten am Freitag deutlich ab, nachdem Anleger ihre Gewinne mitnahmen. Vor allem Silber erlitt den stärksten Tagesverlust seit Jahrzehnten, während Gold zeitweise zweistellig nachgab.
Goldpreis bricht ein – Rücksetzer nach Rekordhoch
Der Goldpreis fiel am Freitag zeitweise um rund 10 % auf knapp unter 4.700 US-Dollar pro Feinunze (31,1 g). Trotz des Einbruchs liegt Gold seit Jahresbeginn noch etwa 10 % im Plus. Der Abverkauf folgte auf das Rekordhoch der vergangenen Woche und zeigt, dass viele Investoren ihre Gewinne sichern wollten.
Thu Lan Nguyen, Expertin bei der Commerzbank, betont: „Das Ausmaß der Korrektur liegt vor allem daran, dass Marktteilnehmer nach dem rapiden Preisanstieg nur auf eine Gelegenheit für Gewinnmitnahmen gewartet haben.“
Silber stürzt fast 30 % ab
Noch dramatischer verlief der Silbermarkt. Die Feinunze fiel von einem Rekordhoch von 121,65 Dollar auf zeitweise rund 74 Dollar – ein Verlust von etwa 30 %. Silber ist nicht nur ein beliebter Wertspeicher, sondern auch ein industriell wichtiges Metall, das für Anwendungen in Energie, Robotik und KI benötigt wird.
Die Abwärtsbewegung zeigt, wie volatil der Silbermarkt derzeit ist und wie stark spekulative Bewegungen die Preise beeinflussen können.
US-Dollar und Zinspolitik belasten Edelmetalle
Ein wesentlicher Treiber des Verkaufs war der erstarkende US-Dollar. Präsident Donald Trump nominierte den früheren Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell. Warsh gilt als geldpolitischer Falke, der tendenziell höhere Zinsen unterstützt. Höhere Zinsen machen Edelmetalle unattraktiver, da diese keine Zinsen abwerfen.
Dennoch betont Thu Lan Nguyen, dass die Fed unter dem Druck der Politik wahrscheinlich weiterhin niedrige Zinsen anstrebt, was den Goldpreis langfristig stützen könnte.
Kupfer folgt dem Trend
Auch der Kupferpreis reagierte auf den Abverkauf. Nach einem Preissprung von etwa 10 % innerhalb weniger Tage fiel der Kurs deutlich zurück. Kupfer wird vor allem in der Bauwirtschaft, Elektrotechnik und im Maschinenbau benötigt und profitiert von der wachsenden Nachfrage durch Rechenzentren und alternative Energien.
Geopolitische Risiken als Stütze
Trotz der Korrektur bleibt Gold ein sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Die gestiegenen geopolitischen Spannungen, insbesondere zwischen den USA und dem Iran, haben die Nachfrage nach Edelmetallen zuletzt gestützt. US-Außenminister Marco Rubio drohte dem Iran mit einem Präventivschlag, während Teheran auf Verhandlungen ebenso wie auf Krieg vorbereitet sei.
Diese Unsicherheiten treiben Anleger in Gold, das als Schutz gegen Krisen und Inflation gilt.
Fazit: Gewinnmitnahmen dominieren kurzfristig
Die aktuellen Kursverluste bei Gold, Silber und Kupfer spiegeln vor allem Gewinnmitnahmen nach einer langen Rekordphase wider. Kurzfristig könnten die Edelmetallpreise volatil bleiben. Mittel- bis langfristig bleibt die Nachfrage stabil, getrieben durch geopolitische Risiken, industrielle Nutzung und weiterhin niedrige Zinsen.
