Neue Epstein-Akten erhöhen Druck auf Ex-Prinz Andrew

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Berlin / Washington – Die Veröffentlichung weiterer Akten im Fall Jeffrey Epstein bringt Ex-Prinz Andrew erneut in Bedrängnis. Das US-Justizministerium hat Millionen zusätzlicher Seiten aus Ermittlungen und Zivilverfahren freigegeben. Darunter befinden sich E-Mails, Fotos und Vermerke, die auf eine engere Verbindung zwischen dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein und dem Bruder von König Charles III. hindeuten, als dieser bislang eingeräumt hatte.

Millionen Dokumente freigegeben

Nach Angaben der US-Behörden umfasst das neu veröffentlichte Material mehr als drei Millionen Seiten sowie Tausende Fotos und Videos. Ziel der Freigabe sei Transparenz, gleichzeitig wurden Opferidentitäten geschwärzt. Namen prominenter Personen hingegen blieben sichtbar. Die bloße Nennung stellt laut Justizministerium jedoch keinen Beweis für strafbares Verhalten dar.

E-Mails legen engen Kontakt nahe

Mehrere Dokumente beziehen sich direkt auf Andrew Mountbatten-Windsor. Aus E-Mail-Verläufen geht hervor, dass Epstein auch Jahre nach seiner ersten Verurteilung weiterhin Kontakt zum damaligen Royal hatte. In einem Schriftwechsel aus dem Jahr 2010 wird ein gemeinsames Abendessen mit einer jungen Frau in London thematisiert. Die Antwort, versehen mit Andrews offizieller Signatur, deutet auf ein persönliches Interesse hin.

Zusätzlich zeigen weitere E-Mails, dass Epstein offenbar Veranstaltungen mit hochrangigen Gästen für Andrew organisieren wollte.

Maxwell-Korrespondenz sorgt für neue Brisanz

Besondere Aufmerksamkeit gilt Nachrichten von Ghislaine Maxwell, Epsteins langjähriger Partnerin, die wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. In mehreren E-Mails spricht Maxwell einen Empfänger an, der als Andrew interpretiert wird. Der Ton der Nachrichten ist vertraut, teils emotional.

Eine der Mails stammt aus der Zeit nach dem Tod von Queen Elizabeth II. und enthält persönliche Beileidsbekundungen. Die Inhalte verstärken den Eindruck eines engen, langjährigen Kontakts.

Fotos aus den Akten

Unter den veröffentlichten Unterlagen befinden sich auch Fotos, die einen Mann zeigen, der Andrew ähneln soll. Die Aufnahmen zeigen ihn in körperlicher Nähe zu einer Frau. Die Authentizität und der Kontext der Bilder sind bislang nicht unabhängig überprüft worden.

Andrew weist Vorwürfe zurück

Der ehemalige Prinz bestreitet seit Jahren, Kenntnis von Epsteins Verbrechen gehabt zu haben. Dennoch hatte die US-Amerikanerin Virginia Giuffre ihm vorgeworfen, sie als Minderjährige mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Andrew wies die Anschuldigungen zurück, ein Zivilverfahren in den USA endete jedoch mit einem außergerichtlichen Vergleich.

Schwere Folgen für die Monarchie

Die Affäre hatte massive Konsequenzen: Andrew verlor alle militärischen Ränge, Ehrentitel und seine Rolle als arbeitender Royal. Zuletzt entzog ihm König Charles III. auch den Prinzentitel und forderte ihn auf, seinen Wohnsitz zu räumen. Innerhalb der britischen Monarchie gilt Andrew weiterhin als Belastung.

Weitere prominente Namen in den Akten

Die neuen Dokumente enthalten auch Erwähnungen zahlreicher international bekannter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Darunter befinden sich unter anderem Donald Trump, Bill Gates, Elon Musk und Richard Branson. Keiner von ihnen wurde bislang strafrechtlich beschuldigt. Mehrere der Genannten haben frühere Kontakte zu Epstein eingeräumt, jedoch jede Beteiligung an Straftaten bestritten.

Einige E-Mails werfen Fragen auf, lassen sich jedoch nicht eindeutig verifizieren. In mehreren Fällen ist unklar, ob Nachrichten tatsächlich versendet oder nur als Entwürfe gespeichert wurden.

Verspätete Veröffentlichung

Ursprünglich sollten die Akten bereits im Dezember veröffentlicht werden. Die Verzögerung begründeten die Behörden mit dem Schutz der Opfer. Auch in den neuen Dokumenten sind zahlreiche Passagen geschwärzt, darunter explizite Inhalte.

Der Fall Epstein

Jeffrey Epstein war 2008 erstmals wegen Sexualdelikten an Minderjährigen verurteilt worden, erhielt jedoch eine vergleichsweise milde Strafe. 2019 wurde er erneut festgenommen. Wenige Wochen später wurde er tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Offiziell handelt es sich um Suizid.

Fazit

Die neuen Akten liefern keine abschließenden Beweise, erhöhen jedoch den öffentlichen und politischen Druck auf Ex-Prinz Andrew erheblich. Für die britische Monarchie bleibt der Fall ein sensibles Thema – und für Ermittler und Medien weltweit ein weiter offenes Kapitel.